Missbrauch und Misshandlung von Kindern können durch nichts gerechtfertigt werden, erst recht nicht in der Kirche. Dass nun so viel ans Licht der Öffentlichkeit kommt und Vertuschen bzw. Verdrängen an ihr Ende kommen, ist notwendig und heilsam. Keine Frage, die Kirche hat hier noch sehr, sehr viel zu tun. Die memoria passionis dieser Tage ist eine besondere geworden.
Aber das in der Öffentlichkeit nun – auch unter kirchlicher Beteiligung - entstandene Bild, die Kirche wäre ein Ort, an dem Kinder in unserer Gesellschaft besonders gefährdet sind, stimmt einfach empirisch und historisch nicht. Historisch sei nur an die Feststellung von Karl Marx erinnert: „Man kann der Kirche viel verzeihen, weil sie uns gelehrt hat, die Kinder zu lieben“.
Der Maßstab, der zu Recht an die Kirche angelegt wird, ist der Maßstab des Evangeliums von der zuvor kommenden Liebe Gottes. Es mag paradox sein, aber jene Kirche, die dieser Frohbotschaft nicht gerecht wird, ist zugleich jene Kirche, der wir die Übermittlung des Evangeliums verdanken. Wie wird eine Gesellschaft ohne jede Kirche einen Zugang zu diesem Geschenk haben? Und wenn das Evangelium verloren ist, wird die Gesellschaft reicher, also menschlicher?